Integration braucht Begegnung
Bericht von der Studienreise des Runden Tisches Grimmelsiepen nach Istanbul
„Ich habe noch nie in meinem Leben so viel über Religion und Glauben gelernt wie in dieser Woche in Istanbul.“ Mit diesen Worten faßte eine Teilnehmerin ihren Eindruck von der Reise zusammen. Fünfundzwanzig Christen und Muslime waren der Einladung des Runden Tisches Grimmelsiepen zu einer Studienreise vom 30.04.06 bis zum 7.05.06 nach Istanbul gefolgt. Die Zusammensetzung der Gruppe aus türkischstämmigen und deutschstämmigen, aus christlichen und muslimischen Dortmunderinnen und Dortmundern machte die Besonderheit der Reise aus. Der Anspruch des Runden Tisches Grimmelsiepen, das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft, Kultur und Religion in Dortmund-Hörde weiterzuentwickeln, fand so seinen Niederschlag.
Neben den wichtigsten touristischen Sehenswürdigkeiten widmete sich die Studienreise besonders dem Zusammenleben der Religionen in der Stadt und der Ausbildung der islamischen Theologen, die als Imame in Deutschland arbeiten. Ein Besuch beim griechisch-orthodoxen Patriarchat, bei einer Alevitischen Gemeinde und zum Freitagsgebet in einer Moschee waren Bestandteil der Reise. Das Gespräch mit den Vertretern einer Menschenrechtsgruppe und Gewerkschaftern haben einen Einblick in die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse in Istanbul ermöglicht.

Eine Exkursion in das nahe gelegene Anatolien ermöglichte die Begegnung mit dem Alltagsleben in einem typischen Dorf, das Gespräch mit dem Bürgermeister, dem Imam und den Besuch in der Schule. Die Reisegruppe aus Deutschland wurde hier mit überschwänglicher Freude und Freundlichkeit aufgenommen.

Ein Abstecher nach Iznik vermittelte einen tiefen Einblick in die Geschichte der christlichen Kirchen. Das Erste Konzil von Nicäa wurde von Kaiser Konstantin I. im Jahr 325 in der kleinen Stadt Nicäa (heute İznik) bei Konstantinopel (Istanbul) einberufen. Das Konzil endete mit der Formulierung des nicäischen Glaubensbekenntnisses.
Einer der Höhepunkte der Reise war der Besuch der Theologischen Fakultät der Marmara Universität. Hier konnten im Gespräch mit der stellvertretenden Dekanin, Frau Dr. Yudagül Mehmedoglu, wichtige Fragen des interreligiösen Dialogs und einer zeitgemäßen
Imamausbildung diskutiert werden. Alle GesprächsteilnehmerInnen waren sich darin einig, das die Integration der Menschen muslimischen Glaubens in Europa und eine weitere Intensivierung des Dialogs zwischen Christen und Muslimen davon abhängt, dass Theologinnen und Theologen ausgebildet werden, die in Deutschland aufgewachsen sind und die deutsche Sprache beherrschen.

Zu den Teilnehmern der Studienreise zählten Vertreterinnen und Vertreter der Evangelischen und Katholischen Kirche in Dortmund, Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker von CDU, SPD und B90/Grüne und Mitglieder des Vorstandes des Türkisch-Islamischen- Kulturvereins in Dortmund-Hörde.
Die wichtigste Voraussetzung für die Integration ist Begegnung. Hier ist dem Runden Tisch Grimmelsiepen mit dieser Studienreise ein beispielhaftes Projekt gelungen. Christen und Muslime haben sich in Istanbul der Auseinandersetzung mit ihrem Glauben gestellt, haben eine Eindruck gewonnen, wie die Menschen in einer türkischen Metropole leben, und sind sich – last but not least - menschlich ein gutes Stück näher gekommen.
Hans Steinkamp
08.05.2006
